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Einige Fakten zu Motivation und Wettbewerb

author: www-data

Heute überflog ich einen hübschen Artikel von bella auf radio-utopie.de. Dabei fiel mir etwas ins Auge:

wenn man einem Menschen erst ein Stück bedrucktes Papier vor die Nase halten muss, damit er das lebensnotwendige tut, dann stimmt was mit der Menschheit als Ganzem nicht.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Dies induzierte einen Gedankensprung, hin zu meinen Unterlagen über ein paar Fakten hinsichtlich intrinsischer und extrinsischer Motivation und Wettbewerb:

  • Johnson und Kollegen veröffentlichten eine Meta-Analyse aus 122 Studien von 1924 bis 1980 ("Effects of Cooperative, Competitive, and Individualistic Goal Structures on Achievement"), die sich mit der Ergebnisproduktivität bei einem definierten Ziel jeweils unter kooperativen und unter Konkurrenzbedingungen beschäftigten. Ergebnis: In 65 Studien lagen die Studienteilnehmer, die die Aufgabe unter kooperativen Bedingungen zu lösen hatten, vorne, in 36 gab es keinen Unterschied zwischen beiden Gruppen, und 8 Studien zeigten Vorteile bei Konkurrenzverhalten.
  • Wettbewerbsbedingungen vermindern Kreativität (John C. Adams jr., "Effects of Competition and Open Receptivity on Creative Productivity") und die aufgebrachte Komplexität zur Lösung von Problemen (Pepitone, Emmy, "Children in Cooperation and Competition", 1980).
  • 1961 unternahm Louise Miller ein psychologisches Experiment, welches zwei Gruppen, eine bezahlte und eine unbezahlte, umfasste. Entgegen aller bekannten Theorien wurde die gestellte Aufgabe von den bezahlten Versuchspersonen deutlich schlechter gelöst als von den unbezahlten. Das Experiment wurde ein Jahr später mit einer älteren Versuchsgruppe und anderer Aufgabenstellung durchgeführt, mit variabler oder gar keiner Entlohnung. Die bezahlte Gruppe benötigte 50% länger für die Erledigung der Aufgabe.
  • Aus Condry, John, "Enemies of Exploration: Self-Initiated Versus Other-Initiated Learning", J Pers Soc Psych, 1977 35:459-77: Menschen, denen Belohnungen, Bezahlungen oder sonstige Preise für Leistungen angeboten werden,
    wählen einfachere Aufgaben, sind weniger effizient dabei, verfügbare Informationen um neue Probleme zu lösen zu verwenden, und tendieren antwort-orientiert und unlogischer in ihren Problemlösungsstrategien zu sein. Sie scheinen härter zu arbeiten und produzieren mehr Aktivität, aber die Aktivität ist von geringerer Qualität, enthält mehr Fehler, und ist stereotyper und weniger kreativ als die Arbeit von vergleichbaren nicht-belohnten Versuchspersonen, die an den gleichen Problemen arbeiten.

Ich hätte hier noch mehr im Angebot, möchte aber erst mal diese Frage in die Welt streuen: Glaubt ihr da draußen wirklich, Wettbewerb ist natürlich und unvermeidbar? Glaubt ihr, Belohnungen sind der einzige Weg, um Menschen zu bewegen, etwas zu tun?
Ehrlich gesagt ist es mir scheißegal, was ihr glaubt. Belohnungen und Wettbewerb funktionieren nicht, dies ist in was weiß ich wie vielen Studien kulturunabhängig gezeigt worden. Wer etwas Gegenteiliges behauptet, verleugnet aktiv 40 Jahre psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung. Das Ausmaß der damit assoziierten Dummheit liegt zwar noch unter den Evolutionsgegnern, hält sich dafür aber hartnäckiger.

2009-02-26 16:00 | www-data.blog20090226@rootshell.ro | [/tech-sci/psychology] | permanent link


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