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Herzratenvariabilität und Depressionen -- die Bildgebung ist da

author: www-data

Herzratenvariabilität ist ein Maß für die Regulationsfähigkeit des Baroreflexes. In neueren Studien wird gezeigt, dass ein Biofeedback-Training, welches die Herzratenvariabilität misst und dem Patienten mit einem "Optimierungsspiel" zur Veränderung anregt, zahlreiche positive Effekte auf verschiedene Krankheiten hat:

Insbesondere für Depressionen war längere Zeit kein wissenschaftlich untermauertes Wirkmodell verfügbar; neben der kommerziellen Ausrichtung sicher auch ein Grund, wieso die Wissenschaftler des HeartMath Institute in Boulder Creek wenig Flächenwirkung mit ihren Arbeiten in den frühen 80ern erzielten. Bis heute sind die Standardtherapien bei Depression Psychopharmaka, Psychotherapie, körperliche Betätigung und auch mal Ergotherapie. Biofeedback steht kaum auf der Liste der eingesetzten Methoden; die Verantwortlichen brauchen halt erst ein paar hundert Studien, die neben der Wirkung auch noch ein Wirkmodell postulieren...
Neue Publikationen, um die Lücke zu füllen, gibt es inzwischen von Lane et al. (2009) und Gray et al. (2009). In diesen beiden Publikationen wird wohl erstmalig aus bildgebender Sicht deutlich, welchen massiven Einfluss das "emotionale Gehirn" auf das Herz hat. Damit ist das Plausible, nämlich die Idee, dass emotionale Ereignisse auch autonome Reaktionen rekrutieren müssen, noch besser unterstützt. Besonders spannend in den Studien sind die zahlreichen Funktionen, die eng gekoppelt sind: Da sind Ängste neben Herzrate, Schmerzen und Blutdruck dicht zusammengedrängt und miteinander verbandelt.
Der alte Systemgedanke zeigt sich auch sehr hübsch: Autonomes Nervensystem und emotionales Gehirn auf der einen Seite, somatisches Nervensystem und kognitives Gehirn auf der anderen. Wie hätte es auch anders sein sollen? :-)

Für die Behandlungsansätze stellt sich angesichts dieser engen Kopplung die Frage, wieso man so viel Psychotherapie probiert -- kann man emotionale Knoten wirklich kognitiv lösen? Muss man nicht eher auf eine andere Ebene? Das sollen die Fragen sein für die Psychiatrie der Zukunft.

2009-04-07 21:04 | www-data.blog20090407@rootshell.ro | [/tech-sci/medicine] | permanent link


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