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Krebs aktuell - zwei neue Studienauthor: lupo Im New England Journal of Medicine berichten Forscher vom Massachusetts General, dass bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eine palliative Therapie zusätzlich zu der onkologischen Standardbehandlung eine Lebensverlängerung von fast drei Monaten ermöglicht (11,6 vs. 8,9 Monate, p=0,02), mal abgesehen von der erwartbaren Lebensqualität (FACTL 98,0 vs. 91,5, p=0,03). Und heute stellt sich heraus, dass palliative Strahlentherapie nichts außer Nebenwirkungen und Abnahme der Lebensqualität herbeiführt, der Überlebensvorteil kaum relevant. Ich vermute ja schon seit einiger Zeit, dass dieses ganze wilde Chemo- und Strahlenzeugs mehr Schlangenöl als genuin medizinische Behandlung ist. Die Indizien für die Richtigkeit dieser Vermutung verdichten sich zusehends.
2010-09-03 22:02 | lupo Rösler hat nichts verstandenauthor: lupo Nach dem "Skandal" an der Uniklinik Mainz schreien jetzt alle nach einheitlichen Hygieneverordnungen. Wenn es nicht um Leben und Tod ginge, könnte man sich ja amüsieren, jeder Depp will jetzt härtere Vorschriften. Dass sich die FAZ mal wieder überhaupt nicht entblödet, versteht sich mittlerweile von selbst, aber auch die Bundesregierung in Gestalt von Minister Rösler springt direkt mal mit auf. Da kann man sich ja mal wieder wichtig machen. Es wird passieren, was immer passiert: Man denkt, Prozessfehler könne man durch härtere Vorschriften (die dann eh wieder keiner überprüft) beheben. In Mainz wird man ein armes Pharmazeutenschwein durch's Dorf jagen und als Sündenbock öffentlich richten. Wenn das nächste Mal der Noro ausbricht, wird's genauso sein, und Menschen werden hart bestraft werden. Der BWL-diplomierte Dorftrottel in der Verwaltung, der, um 50 Cent pro Flasche zu sparen, lieber das weniger wirksame Desinfektionsmittel kauft, kriegt für seine Sparsamkeit natürlich eine Belobigung und einen Bonus von oben.
2010-08-24 17:59 | lupo Gedanken könnten tötenauthor: lupo Sicher kennt jeder die Gruselgeschichten, wonach ein mit einem Fluch belegter Mensch innerhalb kürzester Zeit stirbt, ein Voodoo-Zauber jemandem den Garaus macht oder die alte Legende von der Placebo-Todesspritze bei einer Hinrichtung in den USA. Sicher galt bisher immer, dass es Nocebo-Effekte gibt, bei denen ein Ritual ohne physikalische Wirkung Nebenwirkungen erzeugt. Dass dadurch auch der Tod hervorgerufen werden kann, war bisher nicht belegt beziehungsweise wäre auch experimentell schlecht durch eine Ethik-Kommission zu kriegen. Dass allerdings alleine eine bestimmte Hirnaktivierung ausreichend sein kann, um zu töten, findet man in einigen nur wenige Jahre alten Experimenten von Oppenheimer (John Hopkins University), zum Beispiel in diesem Review hier. Er beschreibt die Mikrostimulation der linken Inselrinde, die im EKG zu ST-Streckensenkungen, QT-Zeit-Verlängerungen, Verbreiterungen des QRS-Komplexes, Entstehung höhergradiger Überleitungsblöcke bis hin zur Asystolie und damit zum Tod führte. Geht man davon aus, dass eine ausreichende Plastizität herrscht, um diesen Bereich des Hirns durch eine tiefsitzende Überzeugung ansprechen zu können, wäre es ohne weiteres mechanistisch erklärbar, dass ein Gedanke tötet.
2010-08-19 15:11 | lupo Dermatologie - Was für eine Berufswahlauthor: lupo
2010-07-12 13:09 | lupo Gefühl über Verstandauthor: lupo Eigentlich ist es für mich nichts wirklich Neues, doch der Stand der Mainstream-Forschung scheint zu sein, dass bewusstes Erleben und Emotionen sehr eng zusammenhängen. Tun sie wohl nicht: Das emotionale Gedächtnis kommt sehr gut ohne die zugehörige episodische Erinnerung aus, zu diesem Schluss kommen Forscher in einem Artikel bei PNAS. Untersucht wurden in einem Experiment Patienten mit bilateraler Hippocampus-Läsion, also dem Teil des Gehirns, welches eine elementare Schaltstelle für u.a. das episodische Gedächtnis ist. Da freut sich David Servan-Schreiber sicherlich.
2010-04-14 10:50 | lupo Checklisten in der Medizinauthor: lupo Im Jahr 2001 begann der Anästhesist Peter Pronovost auf der Intensivstation des John Hopkins Krankenhaus mit einem Experiment, welches die Medizin verändern könnte. Er führte für die Anlage eines zentralen Venenkatheters eine einfache Checkliste mit fünf Punkten ein. Dazu kamen einfache Verhaltensregeln, so durften etwa Schwestern und Pfleger die Ärzte anhalten, sich anhand der Checkliste ans Werk zu machen und sich auch an diese zu halten. In der Folge sank die 10-Tages-Infektionsrate von 11% auf 0%. Die Checkliste verhinderte in einem Jahr 43 Infektionen, 8 Todesfälle und 2 Millionen Dollar Kosten [1]. In einer neuen, multizentrischen Studie mit 55-103 Intensivstationen, einigen Hunderttausend Kathetertagen und einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren in der nächsten Ausgabe des British Journal of Medicine [2] zeigen Pronovost und Kollegen, dass sich die katheterassoziierten Infektionsraten auf unter 40% des Ausgangsniveaus drücken lassen. Würde man die Intervention US-weit einführen, bei gleichem Umsetzungsniveau wie in der Studie, könnte man jährlich 82000 Infektionen und 28000 Todesfälle verhindern sowie die damit zusammenhängenden Ausgaben um 2,3 Milliarden US-Dollar verringern. Erfände jemand nur ein einziges Medikament, welches die gleiche Mortalitätssenkung erreichte - die Welt würde in Ehrfurcht erstarren und der Nobelpreis wäre sicher. 2005 gab es in den USA überhaupt 12000 Fälle von Gebärmutterhalskrebs und 3900 Todesfälle [3]. Man möge die Zahlen in Relation setzen.
2010-02-05 16:23 | lupo Depressionen - Tales of Mere Existenceauthor: lupo Jemand, der man definitiv verständlich erklärt, wie das Innenleben eines Depressiven aussieht:
2009-11-12 22:47 | lupo Der Bachelor und die Depressionenauthor: lupo Die Zeit hat gestern einen Artikel zu psychischen Erkrankungen im Studium veröffentlicht. Die Erkrankungshäufigkeiten steigen zusehends, was nicht zuletzt auf den verschulten "Dauerprüfungs"-Bachelor und finanzielle Probleme zurückgeführt wird. Money Quote eines Sozialwissenschaftlers zum Bachelor:
Das deckt sich auch mit meiner Wahrnehmung. Die gewonnenen 1,5 bis 2 Jahre zur "Berufsreife" gegenüber dem Diplom sind gesamtwirtschaftlich bilanziert durch solche Erkrankungen ein schlechter Tausch. Deswegen: Der Bachelor muss wieder weg!
2009-10-02 03:17 | lupo Woran wir immer denken solltenauthor: lupo In der August-Ausgabe des American-Journal of Medicine findet sich ein äußerst lesenswerter Artikel (mit zweitem Teil) mit 15 Regeln, die Ärzte stets berücksichtigen sollten. Ich hätte den Artikel hier gerne im Volltext übersetzt präsentiert, was Elsevier urheberrechtlich leider verhindert, deshalb: Selbst lesen! Die 15 Regeln lauten:
2009-09-22 19:59 | lupo Placebos wirken immer besserauthor: lupo Wired berichtet über den Placebo-Effekt, neuere Studien dazu und, besonders spannend, warum Placebos immer besser wirken. Meiner Meinung nach Pflichtlektüre für medizinisches Personal aller Art und ein wunderbares Lehrstück über Forschung für alle anderen.
2009-09-08 05:42 | lupo Older entries |