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Kausalnexus versus Finalnexusauthor: www-data Dies ist ein weiterer Beitrag aus meiner derzeitigen Lektüre: Watzlawick, "Die erfundene Wirklichkeit", hier aus Rupert Riedls Artikel "Die Folgen des Ursachendenkens". In den Naturwissenschaften gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass es eine objektiv erkennbare Natur gibt, deren Gesetzmäßigkeiten durch Experimente zugänglich sind. Man geht davon aus, dass es eine zwingende Folge von Ursache und Wirkung gibt: den Kausalnexus. Mal abgesehen von der Kritik daran geben Ursachen keinen Zweck vor. Deshalb wählen die reinen Geisteswissenschaftler ihren Ansatzpunkt anders: Ausgehend vom Zweck einer Wirkung erläutern sie die ihrer Meinung nach die dafür vorgesehenen Ursachen. Verfolgt man diese beiden unterschiedlichen Vorgehensweisen, ergibt sich eine alte Binsenweisheit: Zwei halbe Wahrheiten machen noch keine ganze. Das UrsachendenkenDer Naturwissenschaftler geht von einer durch Experimente zugänglichen Realität aus, dem Kausalnexus, dessen Erforschung er sich widmet. Dabei ist eigentlich schon seit Sir David Hume bekannt, dass aus der Aufeinanderfolge von Ereignissen (wie etwa im Rahmen eines Experiments) keine Kausalität folgt. Der logische Fallstrick hier heißt post hoc ergo propter hoc (danach, also deswegen). Natürlich ist die Annahme einer Kausalität nicht absolut unvernünftig: Wenn bei stets gleichem ersten Ereignis unverhergesehen ein beliebiges zweites folgt, wäre jegliche Vernunft sinnlos, da wir uns keinen Kausalnexus konstruieren können. Ich möchte hier konstruieren betonen, da wir niemals sagen können, ob nicht z.B. ein losgelassener Gegenstand trotz endlos vielen vorangegangenen Erfahrungen des Fallens nicht vielleicht doch einfach in der Luft schwebt. Ich gebe zu, das Argument ist sehr grundlegender Natur, ich möchte hier niemanden dazu verleiten, der Schwerkraft abzuschwören! Doch einen zwingenden logischen Gegenbeweis wird man nicht finden, zumindest nicht ohne Metaphysik. Desweiteren ist in einem Kausalnexus auch kein Zweck möglich: Das Feuern von Neuronen oder Neuronengruppen erzeugt beispielsweise keine Psyche. Es scheint, als ob beim Zerlegen der Welt in einen Kausalnexus jeglicher anhaftender Zweck verloren ginge: Dann hast Du die Teile in der Hand // fehlt leider nur das geist'ge Band, sagte dazu Goethe. Die Alternative wäre, jedem einzelnen Neuron zuzuschreiben, es beinhalte die ganze Psyche, doch das passt nicht ins Bild der Naturwissenschaften, die ganz darin aufgehen, die Welt aus ihren teilbaren Bestandteilen zu erklären.
Auf der anderen Seite: Ohne Ursachen werden wir wahnsinnig. Wir wollen die
Welt irgendwie kontrollieren und einigermaßen vorhersagen. Lieber eine
erfundene, geglaubte Ursache als gar keine, das ist die Devise einiger unserer
geistiger Leistungen. Der FinalnexusNachdem der Kausalnexus zwar den Verlauf, aber nicht den Zweck von Ereignissen bestimmen kann, haben die Geisteswissenschaftler einen anderen Ansatz. Hierbei geht man von einem Zweck aus und legt nun die gegenwärtige Welt aus (die so genannte Hermeneutik), wie sie diesen Zweck verfolgt. Die Geisteswissenschaften postulieren damit einen Finalnexus. Ich möchte hier nicht für oder gegen den Finalnexus argumentieren oder ihn großartig darstellen. Wer eine naturwissenschaftliche Ausbildung hat, wird ihn so oder so ablehnen. Synopse
Der Kausalnexus befasst sich mit Ursachen in der Vergangenheit, die in die
Gegenwart wirken:
Man könnte die Beobachtungen einfach so stehen lassen und behaupten, man könne eben nicht beides haben, beide Denkrichtungen haben in gewissen Zusammenhängen ihre Berechtung, wenn da nicht so eine kleine Kleinigkeit wäre: Die beiden Herangehensweisen kollidieren und erzeugen unauflösbare Paradoxa und unvereinbare Ansichten. Riedl nennt zahlreiche Beispiele, hier eben jenes, das meiner Meinung nach nachvollziehbarste ist:
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