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Looking for the Guilty

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Datensammler sind Verbrecher

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Ockhams Rasierklinge im Falle Tauss

author: www-data

"Irgendwie passt das nicht zu meinem Weltbild." -- diesen Gedanken werde ich nicht los. Es passt irgendwie nicht, dass Tauss im regelrechten Sinne des Wortes ge-frame-t worden sein soll, also dass sich irgendjemand, irgendwann, in einem stillen Kämmerlein gesetzt hat und sich gedacht hat 'wie liefere ich diesen Tauss nun an's Messer?'...

Warum?

Zwei Gründe: seine Gegner und seine Macht.

Tauss' Gegner

Politisch sind seine Gegner im Augenblick wohl alle um von der Leyen herum anzutreffen, sowie der eine oder andere Psychopat aus dem Innenministerium -- z.B. Rolli. Kurzum: alle, die für die Internetzensur sind. Und da liegt aber schon der Hase im Pfeffer: wer sollte an von der Leyens Internetzensur dermaßen zu profitieren haben, dass er Tauss eine regelrechte penibel ausgearbeitete Falle stellt (d.h. jemanden bezahlt, um Beweise zu fälschen, Falschaussagen zu machen etc)?

Mir fällt im Augenblick unter den derzeit üblichen Akteueren keiner ein, der gewillt oder in der Lage wäre, einem politischen Gegner von langer Hand und gezielt ein Verbrechen anzuhängen. Von der Leyen halte ich für zu verpeilt, um etwas zu planen, was über's tägliche Schnürsenkelbinden und Haaremachen hinausgeht. Und Rolli... naja, Rolli ist ganz sicher eines nicht: ein böser Diktator. Bei dem Paranoia-Theater, das er betreibt, ist er vielleicht ein ziemlich geistesgestörter alter Mann, den man lieber in einer Anstalt stecken sollte anstatt ihm ein Amt anzuvertrauen -- aber kein diktatorischer Staatsverschwörer.

Und überhaupt: warum jetzt? Warum unbedingt gegen Zensurgegner vorgehen? Warum ausgerechnet Tauss?

Tauss' Macht

Eine vielleicht unscheinbare Frage, aber wenn man Ockham's Rasierklinge anwenden will dennoch entscheidend: warum ausgerechnet Tauss? Er ist weder der einzige noch der mächtigste Gegner des derzeitigen Ignorier-Das-Grundgesetz-Mindfucks -- und zwar egal, ob wir in den Topf lediglich von der Leyen's Internetzensur reinschmeißen, oder auch die BKA-Befugnisse, die Vorratsdatenspeicherung, die VISA-Affäre etc (die Liste ist lang).

Nach Ockham ist die wahrscheinlichste Antwort auch die naheliegendste: aus der Opportunität heraus. Oder auf Deutsch: weil es sich gerade angeboten hatte.

Diese Antwort widerspricht aber gerade der Version, nach der Tauss gezielt geframet worden sei. Nach Ockham ist ein im stillen Kämmerlein von langer hand geplanter Anschlag auf Tauss' Glaubwürdigkeit also eher unwahrscheinlich.

Tja... was ist es dann?

Die opportunistische Hexenjagd

Ich glaube das beschreibt's ganz gut: es ist eine opportunistische Hexenjagd.

Da Tauss sich nunmal seit Jahren mit der Kinderporno-Szene beschäftigt (wie z.B. von der Leyen auch, sowie viele andere Abgeordnete -- das ist schließlich ihr Job), ist es selbstverständlich, dass er mit entsprechendem Material... sagen wir vorsichtig "in Kontakt kam", in welcher Art und Weise auch immer.

Es ist also denkbar, dass im Rahmen von irgendwelchen Ermittlungen in der KiPo-Szene kollateral Tauss' Telefonnummern bei irgendwelchen Verdächtigten auftauchten. Wir müssen dazu niemanden herbeidichten, der bezahlte Zeugen antanzen lässt. Das einzige, was wir herbeidichten müssen, ist dass Tauss Feinde hatte -- kleine Fische hier und da, kollegen und Bürogenossen, wie jeder sie im Parlament wohl haben muss. Er vertritt nunmal Ansichten, die mit dem Such-Die-Lücke-Im-Grundgesetz-Zeitgeist nicht gut harmonieren.

Von hier aus ist es ein Leichtes sich vorzustellen, dass, als es sich angeboten hatte, Tauss' Immunität aufzuheben um mal 'ein Bißchen Wirbel zu machen', man die Gelegenheit beim Schopf ergriff. Und als Vorstellungshilfe gelten noch folgende zwei Tatsachen: Thomas Strobl, der Vorsitzende des Immunitätsausschusses im Bundestag, ist der Schwiegersohn von Schäuble [via Fefe]; und: von der Leyen scheint auch bekannt dafür zu sein, "zur Abschreckung" und zur Unterstützung die Abscheulichkeiten der Kinderpornographie deutlich zu machen -- durch entsprechendes Videomaterial, natürlich. An und für sich ist das noch kein Grund zur Empörung: die Frau, genauso wie Tauss, Schäuble und wie die alle noch heißen, tut einfach ihren Job. Und entsprechend informiert sein gehört nunmal dazu.

Trotzdem, zurück zur Frage: warum? (1) Warum wurde Tauss' und nicht etwa von der Leyens Immunität aufgehoben? (2) Warum wurde Tauss' Immunität aufgehoben, obwohl man wissen hätte können, dass alles belastende Material auch im Rahmen seiner normalen Ausübung seiner Abgeordnetentätigkeit erklärt werden kann?

Zu (1): weil derjenige, der letztenendes am entsprechenden Hebel der Immunität sitzt, offensichtlich antipatischer auf Tauss' als auf von der Leyens politischer Meinung reagiert.

Zu (2): weil man weiß, dass -- Schuld hin oder her -- immer etwas haften bleibt. Glaubwürdigkeit ist alles andere als eine genaue Wissenschaft. Glaubwürdigkeit ist ein fragiles Gebilde, und ein bloßer Verdacht reicht aus, um es zu zerstören oder massiv zu beeinträchtigen.

Fazit

Eine gezielte, groß angelegte Verschwörungsabsicht gegen Tauss ist schwer zu konstruieren, ohne den Pfad des Wahrscheinlichen zu verlassen. Vielmehr paßt es in mein Weltbild, dass er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war, v.A. mit der falschen Meinung unterwegs. Es hatte sich einfach angeboten, ihm ein Bißchen ans Bein zu pissen -- und das hat man auch gemacht. Die Hexenjagdmaschinerie (Gruß an das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel an der Stelle) erledigt nun den Rest. Ob Tauss da wieder rauskommt oder nicht, das bleibt abzuwarten. Aber wie auch immer die Sache für ihn persönlich ausgeht, seine Glaubwürdigkeit und sein politisches Gewicht zu dem Thema werden für immer deutlich zerknittert sein.

Empörend dabei ist, dass man für ein Bißchen politische Profilierung einen Mann ans Messer geliefert hat, der eine unliebsame Meinung vertritt.

Man hat ihn offensichtlich nicht deswegen in die Ecke gedrängt, um die lieben Kinder zu schützen. Befürworter der Netzzensur haben bei der ganzen Hetzjagd nicht das Wohlergehen der Kinder im Hinterkopf. Wenn sie das hätten, dann gäbe es wesentlich schnellere, bessere und weniger umstrittene Methoden das zu erreichen. Stattdessen wollen sie nur eines: Selbsprofilierung, Publicity und (aus gesellschaftlicher Sicht brotlose) politische "Erfolgserlebnisse".

Politiker messen ihren Erfolg heutzutage leider nicht daran, wieviel sie unterm Strich für die Gesellschaft erreicht haben, sondern daran, wie oft sie Recht behalten und ihre auch noch so hirnrissige Vorstellung durchdrücken können.

Und das ist traurig.

2009-03-07 12:21 | www-data.blog20090307@rootshell.ro | [/digest] | permanent link


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