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Endlich eine Diskussion hier!
Wettbewerb im Sport.

author: www-data

Habe gerade eben gesehen, Florin hat auf meinen Blog-Eintrag zurückgebloggt hat. Die Argumentation zur Belohnung von Tätigkeiten ist goldrichtig und stellt meine Aussagen in einen gesellschaftlichen Kontext. Erwerbsarbeit ist, nicht wie die Linken behaupten etwas Böses oder wie die Konservativen behaupten der Grundstein der Gesellschaft. Es ist schlicht und ergreifend eine mildere Form der Erpressung.

Worauf ich weiter eingehen möchte ist der Wettbewerb im Sport. Kegeln ist vielleicht nicht das optimalste Beispiel, weil kein Körperkontakt zum Gegner stattfindet, aber wir lassen das mal so stehen. Im Nachfolgenden sind auch böse Kommentare aufgefahren, ich versichere natürlich, dass dies keine persönliche Abwertung meines Mitbloggers ist. Es muss halt mal auch zünftig diskutiert werden!
Zu einzelnen Aspekten:

1. Sport als Charakterbildner

"Die traditionelle Annahme, dass kompetitive Sportarten den Charakter bilden begleitet uns heute immer noch, trotz überwältigender gegenteiliger Evidenz" (Butt, Dorcas Susan, "Psychology of Sport", NY: Van Nostrand Reinhold, 1976).
"Es gibt keine empirische Unterstützung für die Tradition, dass Sport den Charakter bildet." (Ogilvie und Tutko, "Sport: If You Want to Build Your Character, Try Something Else", Psychology Today, Oct 1976:61-63). Zu den problematischen Folgen gehören Depression, extremer Stress und relativ oberflächliche Beziehungen. In einer Studie zeigte sich, dass als allgemein positiv bewertete Charaktereigenschaften sich in einer Experimentalgruppe, die eine kompetitive Sportart betrieb, nicht verbesserten (Ogilvie und Tutko, ebd.).

2. Spitzenleistungen versus Wettbewerb

"Eigentlich arbeitet das Ziel des Siegens dahin, dass die Chancen für echte Exzellenz in der Ausübung der Sportart reduziert werden. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit von ausgezeichneter Ausübung hin zu einer ihr übergeordneten Pflicht, siegreich hervorzugehen." (McMurty, John, zitiert aus Johnson, William, "From here to 2000", Sport and Contemporary Society, NY: St. Martin's, 1979).

Meine Meinung

Wieso sollte auch Wettbewerb dazu führen, dass die Spieler ihren Charakter bilden? Das Ziel lautet: Schlage den Gegner. Das ist die Kernbotschaft, und billardenmaliges Wiederholen von Fairplay-Kampagnen sind relativ wirkungslos. Diejenigen, die verlieren, verlieren mehr als ein Spiel. Sie verlieren Selbstachtung, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und setzen sich gesundheitlichen Risiken in Form von Stress aus. Die Gewinner sind oft auch die, die gegen "Regeln" und "Fairplay" ihre Gegner geschlagen haben. Charakterbildend ist das nicht!

Spieler kompetitiver Sportarten werden auch durch Wettbewerb nicht geschicklicher und nicht schneller. Dies geschieht im besten Falle aufgrund intrinsischer Motivation, der Anforderung an sich selbst. Kommt man als Spieler zu dieser Einsicht und richtet sich daraufhin aus, könnte man genauso gut auch ein kooperatives Spiel spielen. Ich erinnere mich an eine Publikation, in der dargelegt wurde, dass viele Spitzensportler sich ihre Gegner depersonalisiert vorstellen. Viele Kinder geben kompetitive Spiele auf, weil sie sie für "pointless" halten. Der Sinn und Zweck kompetitiver Spiele halt kulturelle Ursachen, und sobald etwas mal "culturally imprinted" ist, wird auch jede noch so unstichhaltige Argumentation verwendet.

2009-02-28 19:08 | www-data.blog20090228@rootshell.ro | [/digest] | permanent link


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