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Fördern und fordern

author: www-data

An Lupo's Artikel angeschlossen, zum Thema Depressionen im Studium aus dem Zeit-Artikel. Ich habe den Artikel nochmal durchgelesen... kleines Schmankerl hier :-)

"Die deutsche Gesellschaft muss sich die Frage stellen, wie sie die Menschen integriert, die sensibel sind", sagt Burkhard Seegers. Einen ersten Schritt sieht er in der Verbesserung der finanziellen Situation der Studenten. Beim Lernen müsste seiner Meinung nach das Individuum stärker im Vordergrund stehen. "Für unterschiedliche Studenten muss es unterschiedliche Fördermöglichkeiten geben. Da kann man viel machen, ohne dass es Geld kostet."

(Hervorhebungen von mir.) Die Meinung des Herrn Seegers in allen Ehren, aber: nein.

Warum ist nicht-"sensibel" sein die Norm, und "sensibel" sein die Ausnahme, die irgendwie "integriert" werden muss? Warum nicht anders herum? Warum soll die Gesellschaft nicht eine Möglichkeit finden, die nicht-"sensiblen", arbeitsnimmersatten Gestalten zu integrieren? Das duerfte doch leichter sein... weniger arbeiten, wenn man mehr kann, ist allemal leichter, als mehr arbeiten, wenn man weniger kann. Oder?

Aber ich glaube selbst das haut nicht hin. Ich gaube stattdessen, dass die Gesellschaft -- meinetwegen auch die deutsche -- niemanden "integrieren" sollte. Sie sollte stattdessen lernen mit den Individuen, die sie hat, so klarzukommen, wie sie sind, anstatt jeden vergewaltigen formen meinen zu müssen.

Die "Gesellschaft" muss erstmal lernen zu leben, ohne seine Individuen zu verheizen -- sonst ist sie keine Gesellschaft. Sie muss einen Weg finden, zu existieren, ohne von Individuen -- egal, ob nun "sensibel" oder nicht -- einen Arbeitsaufwand bis hin zur Aufopferung zu verlangen! Allein die Tatsache, dass jemand, der nicht "sensibel" ist, den für die Gesellschaft zu leistenden Arbeitsaufwand aushalten kann, muss nicht bedeuten, dass die Arbeitsmenge pro Kopf richtig dimensioniert ist.

Oder einfacher ausgedrückt: wer sagt denn, dass wir als Gesellschaft immer an der oberen Grenze unserer Belastbarkeit existieren müssen? Mit dem Risiko, die "sensiblen" entweder irgendwie "integrieren" zu muessen, oder sie kaputt zu machen?

Und noch ein weiterer Gedanke zum Lösungsvorschlag "unterschiedliche Fördermöglichkeiten": Ich kann dieses Wort nicht mehr hören. "Fördern" hin und "fördern" her... warum muss jeder Furz in Deutschland "gefördert" werden? Kinder, Studenten, "Sensible", Bauern auf den Feldern und Autokäufer -- alle werden hier "gefördert". Warum?

Warum kann man die Leute nicht einfach in Ruhe lassen? Wer was machen will, soll was machen. Die Leute wissen es schon gut genug, sich selbst zu beschäftigen... Mozart, Einstein, und Goethe sind nicht berühmt geworden, weil jemand ständig dahinter saß und sie "gefördert" hat! Liebe Former der Gesellschaft, laßt eure Schützlinge in Ruhe und überfördertfordert sie nicht ständig. Wenn sie Lust auf mehr haben, werden sie schon selbständig den Weg zur schöpferischen Tätigkeit finden. Und wenn nicht -- wer seit ihr, um sie dazu nötigen zu dürfen?

2009-10-03 18:37 | www-data.blog20091003@rootshell.ro | [/digest/society] | permanent link


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