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Begriff: "Ochlokratie"

author: www-data

Ich habe heute ein neues Wort gelernt: Ochlokratie. Aus der Wikipedia-Definition:

Unter einer Ochlokratie [...] wird die Herrschaft der Masse, des Pöbels, verstanden. [...] Während die Demokratie Polybios zufolge am Gemeinwohl orientiert ist, sieht er die Ochlokratie als Zerfallsform an, in der die Sorge um das Gemeinwohl dem Eigennutz und der Habsucht Platz gemacht hat. Insofern gilt die Ochlokratie als eine Entartung der demokratischen Staatsform.

Spannend ist folgendes Detail (ebenfalls aus dem Wikipedia-Artikel, umformatiert):

Grundsätzlich herrschte in der antiken Staatstheorie seit Platon die Vorstellung, dass jede am Gemeinwohl orientierte Herrschaftsform (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) ein entartetes, nur an den Interessen der Herrschenden orientiertes Gegenstück hat (Tyrannis, Oligarchie, Ochlokratie). Gerade bei der Betrachtung der beiden Formen der Volksherrschaft wird die Unterscheidung zwischen Gemeinwohl (Demokratie) und den kumulierten Interessen der einzelnen Bürger deutlich: Wenn jeder nur an sich denkt und aus diesem Interesse heraus handelt, schadet er letztlich dem Gemeinwohl.

Das erklärt ziemlich deutlich, warum ich in der Schule von der Ochlokratie nie was beigebracht bekommen habe. Bei uns hieß das Staatsformentrio damals noch: Monarchie (=Tyrannis), Aristokratie (=Oligarchie), Demokratie (=Gut).

Später hat sich bei mir die Einsicht festgesetzt, dass die Demokratie, so wie wir sie leben, durchaus ihre Tücken hat. Es geisterte in meiner Umgebung oft der Spruch "Demokratie ist nicht die beste Staatsform, sondern nur die beste von denen, die wir bisher ausprobiert haben", oder diverse Variationen davon ("...die beste, unter den schlechten", "...die am wenigsten schlechte" etc). Und irgendwann habe ich von "Abarten" wie benevolent Dictatorship gehört... kurz gesagt: mein ursprüngliches Schwarz-Weiss-Bild rund um Staatsformen hat eine Menge Graustufen bekommen. Ich merke aber im Nachhinein deutlich, wie viel an Einsicht ich schon früher zu gewinnen gehabt hätte, wenn mir eine begriffliche Unterscheidung zwischen einer "guten" und einer "schlechten" Demokratie (bzw. einer Ochlo- und einer Demokratie) bekannt gewesen wäre! Aber wie hätte man einem Gymnasiasten den Unterschied erklären sollen, ohne mit den Stichworten "Gemeinwohl" vs. "Eigennutz und Habsucht" bei Kernprinzipien unserer Marktwirtschaft Erklärungsbedarf zu wecken?

(Nicht dass das nicht ginge!... es gibt ja immerhin die soziale Marktwirtschaft, die -- vereinfacht ausgedrückt -- genau das ermöglichen soll: Gemeinwohl zu erreichen, ohne der politisch zu sehr vorbelasteten Planwirtschaft in die Hände zu spielen. Aber die Diskussion zur Unterscheidung zwischen einer "guten" und einer "schlechten" Demokratie und mit sich daraus ergebende Konsequenzen, wie z.B. Frühwarnzeichen einer Olchokratie, wäre mit Sicherheit mit vielen unangenehmen Fragen gespickt gewesen...)

2010-10-15 13:01 | www-data.blog20101015@rootshell.ro | [/digest/politics] | permanent link


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