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Die Verschwörungstheoretiker -- lachen oder weinen?

author: www-data

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere Leser an den Film "Conspiracy Theory" (deutscher Titel "Fletchers Visionen") mit Mel Gibson. Kurzum geht es um einen Typen, der zumindest scheinbar durchgeknallt an ein halbes Dutzend Abonnenten eine Zeitung mit Verschwörungstheorien herausgibt. Bestes Zitat aus dem Film:

A good conspiracy is unprovable. I mean, if you can prove it, it means they screwed up somewhere along the line.

Diese Leute gibt's wohl auch in echt.

Auf der Webseite der Anti-Zensur-Koalition findet man eine Zeitung, in der alles vermischt wird:

  • Mobilfunkstrahlen sind gefährlich
  • In Holland werden Leute im Krankenhaus vorsätzlich umgebracht
  • In Belgien wird Eugenik betrieben
  • Hunderte 9/11-Helfer sind tot
  • Homosexualität ist eine Krankheit
  • Die Klimaerwärmung ist eine Lüge
  • Mit RFID sollen wir alle lückenlos überwacht werden
  • Die Finanzkrise war geplant
  • Die Art der Geldschaffung ist eine Verschwörung
  • Gender-Mainstreaming ist ein Unterdrückungswerkzeug
  • HAARP manipuliert unser Bewusstsein
  • ... (ad nauseam)

Daran kann man eines sehen. Das Produzieren von Verschwörungstheorien ist ein Kinderspiel:

  1. Man nehme entweder eine Außenseiterposition oder aber die Negation einer Common-Sense-Meinung.
  2. Man unterstelle, dass diese Position aus zwei Gründen richtig ist: Erstens, weil sie nicht Mainstream ist und zweitens, weil ein oder mehrere geheime Interessengruppen dahinter stehen. Diese beiden Gründe "beweisen" sich gegenseitig: Die Verschwörungstheorie ist nicht Mainstream, weil die Verschwörer die Medien kontrollieren. Weil die Verschwörer die Medien kontrollieren, ist die Verschwörungstheorie nicht Mainstream.
  3. Höhepunkt der Theoriebildung: Man selektiere eine einzelne Verschwörergruppe oder mehrere konkurrierende oder kollaborierende Verschwörergruppen, die für ein oder mehrere höhere Ziele die einzelnen Teilverschwörungen zu einem Gesamtplan zusammenschweißen.

Verschwörungstheorien sind deshalb so unglaublich attraktiv, weil sie ein in sich geschlossenes, nicht widerlegbares und mit nur einem einzigen Axiom (den Verschwörern und ihren Zielen) auskommen. So etwas wirkt unheimlich anziehend auf den menschlichen Geist, zumindest auf den ein oder anderen.

Gleichwohl ist natürlich immer zu sagen: Natürlich gibt es Verschwörungen. Einige davon werden auch lange Zeit später aufgedeckt. Man denke nur z.B. an die Operation Gladio. Nur gilt für Verschwörungen, dass sie früher oder später herauskommen, wie im Zitat gerne Abraham Lincoln zugeschrieben:

You can fool some of the people all of the time; you can fool all of the people some of the time, but you can never fool all of the people all of the time.

Was mich an diesen Leuten tierisch nervt ist, dass sie glaubwürdige Alternativen diskreditieren. Zum Beispiel finde ich, dass das Prinzip der Zentralbanken mit ihrem Währungsmonopol ziemlich kaputt ist; so etwas kann man nicht mehr vernünftig äußern, weil sich irgendwelche (Entschuldigung) Arschlöcher daran vergriffen haben und die Kritik an Zentralbanken mit einer "jüdischen Weltverschwörung" verbinden. Vielen Dank übrigens an die ach-so-linke Grünen-Mitbegründerin Jutta Ditfurth, die diese Argumentation der Verschwörungstheoretiker einwandfrei übernommen hat und Zentralbank- und Zinskritiker als "strukturelle Antisemiten" beschimpft.

Nun, was tun? Ich möchte hiermit meine Verschwörungstheorie in die Welt setzen, sozusagen als kleiner Mindfuck-Anti-Virus:

Die Verschwörungstheoretiker sind von den übermächtigen, alles kontrollierenden Zentralbanken engagiert worden, die Kritik an Zentralbanksystemen mit typischen Verschwörungstheorien zu vermischen, um valide Kritik damit lächerlich zu machen.

Toll, oder? Unwiderlegbar, in sich schlüssig und nur ein einzelnes Axiom notwendig! (Ich sollte vielleicht erwähnen, dass selbstverständlich jeder, der Kritik an meiner Theorie äußert, von denen engagiert worden ist. Logo, ne?)

So, ich sollte mal wieder was Hübsches über Strategietheorie lesen. Vielleicht kann man ja noch mehr davon konstruieren. Übrigens ist die Illuminatus-Trilogie (von R.A. Wilson) als beste Parodie auf den Verschwörungskram immer zu empfehlen.

2009-04-10 13:54 | www-data.blog20090410@rootshell.ro | [/digest/media] | permanent link


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