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Looking for the Guilty

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"Der Spiegel" - ein Nachruf

author: www-data

Ich reihe mich heute in die lange Schlange der Leute ein, die endgültig den Spiegel in die Ecke der unseriösen Medien gestellt haben. Einstmals das "Sturmgeschütz der Demokratie", ist es seit Stefan Aust ein billiges Propagandabordell geworden.

Der Abgesang auf den Spiegel ist von allerorts zu hören. Selbst in einem Beitrag im DeutschlandRadio wird das Requiem für ein ehemaliges Nachrichtenmagazin gespielt, welches wie kein zweites die Presselandschaft des Nachkriegs-Deutschlands prägte. Stefan Aust machte Presse nach eigenem Gutdünken, die Mitarbeiter flüchteten vor dem Meinungsdiktat oder gingen in die innere Emigration.
Die Netzpräsenz des Spiegels ist sogar derart unterirdisch, dass es in einer deutschen Tageszeitungsredaktion eine Mode aufkam: immer wenn

ein Autor einen besonders polemischen Artikel geschrieben [hatte], der an Fakten arm oder gar faktenfrei war, dann hieß es: "Der hat ja mal wieder geSPONt" - in Bezug auf das Akronym von Spiegel Online.
[via amerika21]

Wie komme ich dazu, heute mein Instrument für das Requiem in die Hand zu nehmen und die letzten Takte zu spielen? Ein Artikel von einem gewissen Konrad Lischka. Zunächst heult er über den beim besten Willen vollkommen untragischen Verlust des High-Society-Hochglanzmagazines Vanity Fair rum, der papiergewordene Beweis, dass in den Köpfen deutscher Verlagshäuser definitiv die Form schon lange über den Inhalt gesiegt hat. Den Rest vom Artikel bringt Herr Lischka damit zu, über die Relevanz der Totholzmedien und den Schwierigkeiten eines Überganges zu rein digitalen und nichtkommerziellen Formen der Berichterstattung. Kurzum: Jahrgang 79, Journalist, neues Medium nicht verstanden. Was lernen die Jungs und Mädels heutzutage auf der Journalistenschule? Vorausgesetzt, sie haben eine besucht. Was man bei den meisten Mitarbeitern des ehemaligen Nachrichtenmagazins aus Hamburg eher bezweifeln mag.

Für mich ist der Spiegel damit endgültig tot. Links zur Online-Ausgabe werde ich nicht mehr folgen und nicht mehr selbst setzen, die Totholzausgabe werde ich nicht mehr anfassen. Bye bye, war schön mit Dir. Ich durfte noch tolle Berichte aus der Sammlung meines Vaters lesen, die turbulente Zeit zwischen 87 und 94. Jahre später kann ich nur sagen: Ich will den Journalismus zurück!

2009-02-22 20:13 | www-data.blog20090222@rootshell.ro | [/digest/media] | permanent link


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