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Sind Ökonomen systematisch antidemokratisch?author: lupo Da überlege ich doch: Stehen Wirtschaftswissenschaftler überhaupt auf den Grundlagen der Erklärung der Menschenrechte, der Europäischen Menschenrechtskonvention, der UN-Charta und des Grundgesetzes? Wenn solche Vorschläge kommen, die keine völkerrechtliche oder demokratische Basis haben? Ich sage: nein. Ökonomen sind überhaupt nicht an solchen Fragen interessiert. Selbst demokratische Spielregeln werden rein spieltheoretisch zerlegt, die Frage nach der Moral ist irrelevant. Die Ökonomie kennt den Begriff der Moral nicht. Ökonomie ist nicht unmoralisch. Sie ist amoralisch. Denn eine Kenntnis, geschweige denn ein Bekenntnis zur Würde des Menschen kommen in der ökonomischen Lehre wohl nicht vor. Von Demokratie gar nicht erst zu sprechen. Viele Menschen möchten den Ökonomen unterstellen, sie seien unmoralisch. Diese Vorstellung ist ein Produkt westlicher Logik: Entweder jemand ist "A", oder er ist das Gegenteil von "A". Dass jemand "A" überhaupt nicht kennt beziehungsweise nicht berücksichtigt, kommt niemandem in den Sinn. Das Phanömen tritt besonders deshalb auf, weil die grundlegende Doktrin der Wirtschaftswissenschaften den Begriff der Ethik nicht axiomatisch mit verarbeitet. Warum eine bestimmte Schule (Keynesianismus, Klassik, Neoklassik, ...) zu einer besseren Welt für alle oder zumindest viele führen soll, ist immer nur ein Nebenprodukt, niemals Ziel, auch wenn es im Nachhinein so gerne behauptet wird. Adam Smith schießt dabei den Vogel ab: Frei zitiert sagt er, wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht. Der tiefe geistige Verfall der Wirtschaftswissenschaften ist so weit fortgeschritten beziehungsweise so lange bestehend, dass sich einige progressive Denker in einem Netzwerk zusammengeschlossen haben: Netzwerk der post-autistischen Ökonomie. Sie betrachten die Gegenwartsökonomie als autistisch, klinisch definiert als "[...] die Schwierigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren [...] stereotype oder ritualisierende Verhaltensweisen [...] grundlegende Unterschiede gegenüber nicht-autistischen Menschen in der Verarbeitung von Sinneseindrücken und in der Art ihrer Wahrnehmungs- und Intelligenzleistungen" (vergleiche Wikipedia). Na wenn das mal nicht ein Volltreffer ist! Dem Netzwerk sei an dieser Stelle viel Erfolg gewünscht.
2010-01-26 10:03 | lupo Older entries |